Die bereits von ihr im Vorjahr abgelaufene Strecke beinhaltet traumhafte Ausblicke, kulinarische Leckereien, vielerlei Eindrücke der alpinen Flora und Fauna und jede Menge herzlicher Begegnungen.
Im Sommer 2016 reiste eine fünfköpfige Wandertruppe aus der Rhön nach Lech in Vorarlberg in Österreich an. Das Auto in der Tiefgarage platziert, kurze Pinkel- und Trinkpause in der Touristeninfo, und schon ging es mit dem Bus zur Einstiegsstelle Schröcken Landsteg. Das erste Ziel, die Biberacher Hütte in 1842 m Höhe, ist nach etwa drei Stunden und einigen Pausen an Wassertrögen zum Abkühlen erreicht. Nach einer nicht endend wollenden Runde Mensch-ärgere-Dich-Nicht ging es ab ins erste Hüttenschlaflager.
Tag 2 begann für mich mit einem Extralaufweg: nach etwa 10 Minuten fiel mir auf, dass meine Hausschuhe noch oben in der Hütte sind.... Dem anschließend angekündigten (nicht vorher definierten) Strafenkatalog ist dieser Bericht zu verdanken. Auf dem Weg zur Göppinger Hütte kühlten wir uns in einer eiskalten Gumpe ab, wurden vom Almhirten Berti auf Enzian-Schnapps und Wurstaufschnitt eingeladen und stiegen durch ein kurzes Stück Kamin ab. Bei einer Verschnaufpause überholte uns joggend ein junger Mann. Er arbeitete in der Freiburger Hütte und erzählte uns, er mache einen Rundweg über die Biberacher zur Göppinger und schließlich zur Freiburger Hütte zurück. Schwer beeindruckt bestellten wir bei ihm bereits das erste Getränk für den morgigen Abend. Angekommen an der Göppinger Hütte wart abends noch die Sonnenfinsternis auf 2245 m zu bestaunen.
Für die Wanderung zur Freiburger Hütte teilte sich die Gruppe auf: ein Teil wanderte über das "Gebirge" entlang der Schwarzen Wand, der andere Teil nahm die idyllische Talroute entlang des Lechs unter die Sohlen. Ich habe mich letzterem angeschlossen und treffe auf viele Familien mit Kindern auf der einen und Radfahrer auf der anderen Seite des Flusses. Unterwegs gab es zunächst eine kurze Einkehr im Unteren Älpele. Je näher wir dem Formarinsee kamen, desto schmaler und trockener wurde der Bach. In der Formarinalpe warteten wir zwei Stunden auf den anderen Teil der Gruppe, bis wir schließlich im See baden gehen konnten und uns zum Tagesausklang in der Freiburger Hütte zur Ruhe legten.
Den vierten Tag blieben wir dort und liefen einen etwa vierstündigen Rundweg um den Formarinsee mit spontanem Abstecher zum Sattel "Schwarze Furka" zwischen Roter Wand und Rothorn. Dort sah ich nicht nur zum ersten Mal ein Schneefeld im Sommer von Nahem, sondern auch eine Gämsenfamilie (es gilt als umstritten, ob es nicht doch Steinböcke waren - schließlich befände sich in der Region die größte Steinbockpopulation Europas).
Der vorletzte Tag unserer Tour führte über das Steinerne Meer und den Gehrengrat. Oben angekommen trafen wir auf eine Wandergruppe, die uns von Tag 1 an begleitet hatte, und gemeinsam schnackten wir bei einem Picknick. Es folgte ein steiler Abstieg, der für manchen in der Gruppe zum richtigen Erfolgserlebnis wurde. Beim Spullersee hüpften alle "juchzend" ins Wasser, umgeben von sehr zutraulichen Schmetterlingen. Wir erreichten die Ravensburger Hütte, in der wir zu Simones Freude knapp vor Beginn der gesamten Reise noch einen Schlafplatz erhalten hatten. Allerdings verweilten wir nicht lange und gingen in zehn kurzen Wanderminuten zur Brazer Staffel rüber - ein Geheimtipp von Simones Vorlauf-Tour aus dem vorherigen Jahr. Dort erhielten wir Apfelwein von befreundeten Landwirten und Milch frisch aus dem Kuhstall. Es begann zu regnen, wir machten uns flott auf den Rückweg zu unserer Schlafstätte.
Der Wetterbericht für unseren Abreisetag ließ leider ebenfalls nichts Gutes vermuten. Deswegen entschieden wir uns morgens gegen die längere Route über das Madlochjoch vorbei am Zürser See (Simones Schmerz saß tief, da es der schönste Teil der Wanderung sei). Stattdessen ging's über das Stierlochjoch zum Wasserfall bei Zug, von uns auch als die wohl größte Badewanne der Alpen bezeichnet. Im Tal in Zug angekommen wanderten wir zurück nach Lech und damit zum Start der Rückreise nach Deutschland - erfüllt von der malerischen Landschaft und der Herzlichkeit der Menschen unterwegs.
Text: Franca Bittner