Am Freitag, den 19. Juni 2026 machte sich unsere bunte, neunköpfige Gruppe unter der Leitung von Torsten Maiwald auf den Weg ins Allgäu, um den heißen Temperaturen in Unterfranken zu entfliehen und ein schönes Wanderwochenende zusammen zu verbringen.
Nach einem kurzen Kennenlernen im frühen Nachmittag am Rottendorfer Bahnhof bildeten wir Fahrgemeinschaften und erreichten passend zum Abendessen die JuBi Hindelang (die Jugendbildungsstätte der Jugend des Deutschen Alpenvereins), wo wir die nächsten zwei Nächte unterkommen würden.
Aufgrund eines gemeldeten Gewitters entfiel die für Samstag geplante Wanderung zum Engeratsgundsee. Stattdessen wählten wir eine kleinere und flexibler anpassbare Tour, zu der wir gleich von der JuBi aus zu Fuß starten konnten.
Auf Waldwegen und mehreren Brücken, die den Hirschbach querten, ging es in idyllischer Atmosphäre den Hirschbachtobel hinauf. Dann kam plötzlich der große Schock: auf einem schmalen Pfad, neben dem es steil bergab ging, machte eines unserer Gruppenmitglieder einen falschen Schritt und stürzte über einen 55°-Hang in die Tiefe. 50 Höhenmeter tiefer konnten zwei zufällig vorbeikommende Wanderer den Sturz aufhalten. Die Tourleitung und weitere Gruppenmitglieder setzten gleich einen Notruf ab und konnten Erste Hilfe leisten. Nach einiger Zeit traf auch die Bergwacht ein und die mittelschwerverletzte Person wurde mit dem Rettungshubschrauber abgeholt.
Anschließend wanderten die restlichen Gruppenmitglieder weiter zur Klankhütte. Zum Glück kam bald der Anruf vom Krankenhaus, dass die verletzte Person bereits abgeholt werden könne. Über einen Fahrweg mit schöner Aussicht wanderten wir zurück nach Bad Hindelang. Beim Abendessen waren wir alle wieder vereint und konnten zu neunt darauf anstoßen, was für einen großartigen Schutzengel unser abgestürztes Gruppenmitglied an dem Tag hatte.
An den beiden Folgetagen waren wir nur noch zu acht unterwegs, während die verletzte Person in Bad Hindelang verblieb. Für den Sonntag war eine Wanderung über den Schrecksee zur Landsberger Hütte vorgesehen. Da es auf dieser Route Schneefelder gab, entschieden wir uns jedoch für einen anderen Weg auf die Hütte. Nach dem Auschecken aus der JuBi fuhren wir mit dem Bus auf einem serpentinenreichen Weg zuerst nach Oberjoch und dann weiter nach Tannheim. Zwei Gruppenmitglieder wählten für den ersten Streckenabschnitt die Seilbahn zur Usseralpe, während die anderen sechs den steilen Aufstieg durch Wiesen und Waldabschnitte wählten (ca. 700 Höhenmeter).
In der Nähe der Usseralpe wurden die beiden Teilgruppen wieder zusammengeführt und legten eine Mittagspause mit fantastischer Aussicht ein. Von dort aus führte uns der Weg mal horizontal, mal bergauf, mal bergab mit wechselnden Ausblicken zum Beispiel in Richtung der Litnisschrofen und der Leilachspitze. Neben den umliegenden Gebirgen wurde natürlich auch die vielfältige Flora am Wegesrand ausgiebig fotografiert.
Gegen Ende der Tour hatten die Schwindelfreien unter uns noch die Möglichkeit, einen Gipfel zu erklimmen: die Schochenspitze, mit einem wunderschönen Rundumblick, unter anderem auf die umliegenden Seen (Lachensee, Vilsalpsee, Traualpsee).
Zuletzt folgte noch ein kurzer Abstieg bis zur Landsberger Hütte direkt am Lachensee. Dort genossen wir auf der Terrasse bei Kaltgetränken den Blick auf die Lachenspitze. Ein paar Mutige trauten sich abends noch in den See, der mit einer angenehmen Wassertemperatur überraschte. Nach einem leckeren Abendessen à la carte machten wir es uns im Winterraum gemütlich, wo wir nach den zurückgelegten 1.100 Höhenmetern im Aufstieg und 200 bis 300 Höhenmetern im Abstieg (grobe Schätzung) gut schlafen konnten.
Am Montag erwachten wir mit einem Blick auf den Vilsalpsee, deckten uns mit Proviant ein und stiegen vorbei am Vilsalpsee hinab zum Traualpsee (ca. 630 Höhenmeter Abstieg). Unterwegs waren Murmeltiere zu hören und junge Rinder kreuzten unseren Weg.
Am Traualpsee kehrten wir noch kurz auf ein Getränk im Café Bistro Haubentaucher ein, bevor wir mit dem Bus zurück zur JuBi fuhren. Dort sammelten wir unser neuntes Gruppenmitglied ein und fuhren dann in unseren Fahrgemeinschaften zurück nach Unterfranken.
Wir blicken zurück auf einen aufregenden ersten Tag mit ganz viel Glück im Unglück und auf zwei schöne Wandertage, die uns sicherlich noch lange im Gedächtnis bleiben werden. Gerne wieder, aber beim nächsten Mal bitte unfallfrei! Wir wünschen unserem Michael noch gute Besserung und vollständige Genesung – nach der Schulter-OP ist er auf gutem Weg dorthin.
Text: Sophie Schnermann